"Zeitbrücke zur Gegenwart schlagen"

PAZ-Serie zur Geschichte der Ilseder Hütte (26.09.2007)

5. Teil: Die Dampfzentrale produzierte Energie für das gesamte Ilseder Hüttenwerk/Im Gebäude soll im nächsten Jahr eine Industrie-Ausstellung eröffnet werden

Von Thomas Kröger

Sie war einst das Herzstück der Ilseder Hütte und soll nun nach dem Willen des Vereins “Haus der Geschichte” zukünftig eine Industrie-Ausstellung beherbergen: die Dampfzentrale.

Ilsede. Die blaue Farbe des Gebäudes ist rund um Ilsede bereits von weitem zu sehen. Die Dampfzentrale, die 1898 gebaut wurde, hatte eine historische Bedeutung für das Ilseder Hüttenwerk. Ein neues Zeitalter brach damals an, denn nun konnte man Elektro-Energie für die industrielle Nutzung erzeugen. Manfred Vorberg, ehemaliger Leiter der Instandhaltung erklärt: “Hier liefen die ersten Dynamo-Räder, angetrieben von schweren, senkrecht stehenden Dampfkolbenmaschinen.

Ende des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Anlagen zur Erzeugung von elektrischem Strom zur industriellen Nutzung gebaut. So auch bei der Ilseder Hütte. Foto: © PAZ
Ende des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Anlagen zur Erzeugung von elektrischem Strom zur industriellen Nutzung gebaut. So auch bei der Ilseder Hütte. Foto: © PAZ
1898 liefen die ersten Dampfkolbenmaschinen zum Antrieb von Dynamo-Rädern. Foto: © PAZ
1898 liefen die ersten Dampfkolbenmaschinen zum Antrieb von Dynamo-Rädern. Foto: © PAZ
Im Jahr 1899 kam eine flachliegende Kolbenmaschine mit Dynamo-Rad zum Einsatz. Die gesamte Anlage der Dampfzentrale hatte damals eine Leistung von 1290 Kilowatt. Foto: © PAZ
Im Jahr 1899 kam eine flachliegende Kolbenmaschine mit Dynamo-Rad zum Einsatz. Die gesamte Anlage der Dampfzentrale hatte damals eine Leistung von 1290 Kilowatt. Foto: © PAZ

Jeweils zwei Dampfkolben trieben über eine Welle ein Dynamo-Rad an, das 450 Kilowatt Leistung bei einer Betriebsspannung von 10 Kilovolt erzeugte. Diese drei senkrecht stehenden Maschinen arbeiteten hier bis 1941 beziehungsweise 1954.” 

Die nachfolgende Maschinen-Generation, Dampfturbinen mit angekoppelten Elektro-Generatoren, löste die alten Kolbenmaschinen mit den Dynamo-Rädern ab. Diese “modernen” Maschinen sind heute noch im Original zu sehen. Neben der Dampfturbine “System Ljungstöm” aus dem Jahr 1941, die bereits zwei Mal 7500 Kilowatt produzierte, lag die Leistung der MAN-Maschine aus dem Jahr 1954 auch bei 14 000 Kilowatt.

Der Verein “Haus der Geschichte” möchte nun dieses historische Gebäude für eine dauerhafte Industrie-Ausstellung nutzen. Wilhelm Hilker sagt der PAZ: “Wir wollen hier eine Ausstellung aufbauen, die einzigartig in der Region Braunschweig ist. Es soll eine Zeitbrücke zur Gegenwart schlagen und zeigen, was das Ilseder Hüttenwerk ausgemacht hat.” Dafür habe man den Berliner Museumsberater Jörn Brunotte engagiert, um ein Konzept zu erstellen. Die Ausstellung soll parallel zum 150-Jahre Jubiläum des Hüttenwerks eröffnet werden.

Brunotte hat die Dampfzentrale analysiert und folgende Gliederung vorgeschlagen: “Es sollte die Themen Gründer Gerhard Lucas Meyer, Bergbau, Hochofen, Energie, Eisenbahn, soziale Leistungen, Produkte und Industrie heute geben. Daneben wird die Ausstellung in den Abteilungen Bergbau und industrielle Stahlproduktion aufgeteilt.”

Für die Besucher soll es Hörstationen geben, die direkte Informationen von Zeitzeugen ermöglichen, und Brunotte möchte Handlungsebenen anbieten.

So könnte der Eingang zur Industrie-Ausstellung aussehen. Foto: © PAZ
So könnte der Eingang zur Industrie-Ausstellung aussehen. Foto: © PAZ
Blick in die geplante Abteilung Bergbau. Foto: © PAZ
Blick in die geplante Abteilung Bergbau. Foto: © PAZ
Hier sieht man die Kasse und den Shop am Eingang. Foto: © PAZ
Hier sieht man die Kasse und den Shop am Eingang. Foto: © PAZ
Die Ausstellungsobjekte geben einen Überblick über die Ilseder Industriegeschichte. Foto: © PAZ
Die Ausstellungsobjekte geben einen Überblick über die Ilseder Industriegeschichte. Foto: © PAZ

Der Museumsberater erklärt: “Der Mensch behält laut einer Studie Informationen per Akustik zu 20 Prozent, per Bilder zu 50 Prozent, bei eigener Wiedergabe zu 70 Prozent und bei einer Sebstbeteiligung gar bis zu 90 Prozent.” Daher sollen die Besucher beispielsweise in der Abteilung Bergbau frühere Werkzeuge selbst ausprobieren können. “Dadurch, dass die Besucher die Geräte selbst bedienen, erhalten sie einen direkten Eindruck der historischen Geräte. Sie wissen dann, wie das Eisen in der Hand lag oder wie schwer es war. Das ist viel intensiver als jede andere Darstellungsform”, betont Brunotte.

Zudem gibt es ein Cafe in dem Entwurf und einen Museums-Shop, der die Besucher zum Verweilen einladen soll. Beleuchtete Großfotos zeigen in diesen nüchtern gehaltenen Räumen historische Ansichten der Ilseder Hütte. Auch zum Konzept gehört eine Kinderführungslinie, die den Kleinen die Vitrinen und Objekte auf Augenhöhe präsentiert und eigenständiges Entdecken und Erleben möglich machen soll. Daneben sind regelmäßige Führungen eingeplant. 

Museumsberater Brunotte hat eine Kalkulation für das Projekt erstellt. Er rechnet bei der Sanierung des Dampfzentralen-Gebäudes mit Kosten in Höhe von 800 000 Euro. Die einmaligen Kosten werden laut Brunotte mit 268 500 Euro veranschlagt und die jährlichen Kosten mit 53 350 Euro. Die Einnahmen müssten laut dem Berliner bei 100 000 Euro pro Jahr liegen, damit auf einen Zeitraum von fünf Jahren die Kosten refinanziert werden können. 

Bei den Einnahmen geht Brunotte von einem Mix aus Eintrittsgeld-2,50 Euro-sowie Geld durch Führungen und dem Verkauf im Museums-Shop aus.

“Um die 100 000 Euro per Jahr erwirtschaften zu können, müsste die Ausstellung in Ilsede 25 000 Besucher im Jahr anziehen”, betont der Museumsberater.

Bezugsquelle: Text und Fotos stammen aus der Peiner Allgemeinen Zeitung (PAZ) Serie zur Geschichte der Ilseder Hütte. Dieser Beitrag stammt aus der Ausgabe vom 26.09.2007.