Eisenbergbau der Ilseder Hütte Schachtanlage >> Emilie <<

Über mehrere Generationen war das Eisenerz aus der Lagerstätte Bülten – Adenstedt die Basis für die Roheisenerzeugung im Hochofenwerk der Ilseder Hütte in Groß Ilsede. Die Eisenerzstätte wurde auf der Linie Adenstedt – Groß Bülten nachgewiesen. Nach Norden einfallend erreichte sie in Bülten eine Teufe von 300 m, vertaubte vor dem Mittellandkanal und bildete in einer Teufe von 400 bis 700 m den Abbaubereich der ehemaligen Schachtanlage Peine 1/2 in Telgte bei Peine.

Das Erz wurde von der Ilseder Hütte ab 1860 ausschließlich im Tagebau, zunächst mit Hacke und Schaufel gewonnen und mit Pferdegespannen zum Hochofenwerk Groß Ilsede transportiert. Ab 1871 kamen Dampflokomotiven und erst ab 1909 Dampfbagger zum Einsatz. Es gab insgesamt sechs Tagebaue. Mit fortschreitendem Abbau mußte für den Erzabbau viel Abraum abgetragen werden, die Überdeckung des Erzlagers betrug bis 25 m bei einer Lagermächtigkeit von 20 m. Der Tagebaubetrieb wurde unwirtschaftlich und ging um 1914 zum Erzabbau im Tiefbau über. 

Das Abteufen der ersten Schächte zwischen Adenstedt und Groß Bülten diente der Wassererhaltung der Tagebaue. Als erster Förderschacht wurde 1899 der Kaiser – Wilhelm – Schacht in Groß Bülten mit einer Teufe von 60 m niedergebracht. 

Mit dem Abteufen des Gerhard – Schachtes in Klein Bülten auf 120 m im Jahre 1914 verlagerten sich der Erzabbau und die Erzförderung auf den Tiefbau. (1939 erfolgte noch die Erschließung des Ölsburger Tagebaues)

Von 1937 bis 1939 wurde der Emilie Schacht mit einer Teufe von 248 m niedergebracht, die ersten 80 m im Gefrierverfahren. Das Schachtgerüst hatte eine Höhe von ca. 40 m. Mit der Erstellung des Emilie Schachtes wurde der moderne Bergbau eingeführt. 

In den letzten Jahren des Bültener Eisenerzbergbaus konzentrierte sich die Förderung nur auf den Emilie Schacht. Aus der Bültener Erzlagerstätte sind in den fast 120 Betriebsjahren 60 Mio. t Eisenerz gefördert worden, davon ca 20 Mio. t über die Schachtanlage Emilie. Am 30. März 1976 wurde die Eisenerzförderung aus der Lagerstätte Bülten – Adenstedt der Ilseder Hütte eingestellt. 

Die im Tiefbau gewonnenen Erze hinterließen Hohlräume, die zur Vermeidung von Bergschäden und aus Sicherheitsgründen mit Sand verfüllt wurden. Der kam aus den Sandgruben Adenstedt und später Handorf, die heute mit ihren Wasserflächen als Biotope und zur Freizeitgestaltung die Landschaft prägen.

Auf dem Gelände der Schachtanlage Emilie erinnern die ehemaligen Betriebsgebäude, Hauptverwaltung mit Waschkaue, Werkstätten und die Energiestation, die einer neuen Nutzung zugeführt werden und auch die Abdeckungsplatte der Schachtröhre an die erfolgreiche Zeit des Erzabbaus dieser Region. Das Schild SCHACHT EMILIE krönte bis 1983 den Förderturm des Schachtes und galt als Wahrzeichen der Ortschaft Bülten.

Technische Daten der Schachtanlage

Bau und Inbetriebnahme: 1937 – 1939, Tiefe: 248 m, Schachtröhre Durchmesser: 6,6 m, Schachtgerüst ca. 40 m hoch, Förderseil Durchmesser: 42 mm, Förderleistung der Skipförderung: 4,8 t/Förderkorb = 1500 t/Tag, Einstellung der Förderung: 30. März 1976. Die Schachtröhre wurde verfült und mit einer Betonplatte abgedeckt. Im Verwaltungstrakt war 1945 ein Lazarett eingerichtet, anschließend – bis 1959 war hier das Kreiskrankenhaus untergebracht. 

Anmerkung: Ein Besuch lohnt sich. Denn zum Beispiel auf dieser Informationstafel sind interessante Ansichten zu sehen, so wie wir sie heute vielleicht nicht unbedingt mehr kennen. Diese sind unter anderem: 

Bezugsquelle: Informationstafel Gewerbepark Ilseder Hütte Industriepfad. Standort: Klein Bülten: Zum Emilieschacht