Kokslöschwagen mit Elektro - Lokomotive

Für die Verhüttung der Eisenerze im Hochofen benötigt man Koks, der in wechselnder Folge mit dem Eisenerz, in den Hochofen gefüllt wird, der Hochöfner nennt das “gichten”.

Die Ilseder Hütte erzeugte den für die Roheisenproduktion erforderlichen Koks zu einem wesentlichen Anteil in der eigenen Kokerei. In den 79 einzelnen Koksöfen, die rund um die Uhr in Betrieb waren, sind in wechselnder Folge innerhalb von 20 Std. “Garzeit” aus 18 t Kohle 13,5 t Koks erzeugt worden. Die Tagesproduktion betrug ca. 1300 t. Die einzelnen “Ofenkammern” der “Batterie” werden durch Heizzüge getrennt, in denen die für den Verkokungsprozeß erforderliche Temperatur von 1300 Grad gehalten wird. An den Kopfenden der Ofenkammern, die eine Länge von 14 m hatten, liefen eine “Druckmaschine” und gegenüber, auf der Koksseite, der Kokskuchenführungswagen und der Löschwagen. Bei abgeschlossenem “Garungsprozeß” fuhren diese Maschinen vor die entsprechende Ofenkammer. Das Ausdrücken des Kokses aus der Kammer übernahm die Druckmaschine. 

Nach Entfernen der “Ofentüren” an den Stirnseiten der Kammer wurde der glühende Koks mit der 18 m langen Druckstange, deren Kopf fast die gesamte Kammerfläche mit 4,2 m Höhe und 0, 45 m Breite abdeckte, aus dem Ofenraum geschoben. 

Der Kokskuchenführungswagen leitete auf der Koksseite den glühenden Koks in den Löschwagen, der zur gleichmäßigen Beladung langsam vor dem Führungwagen vorbeifuhr. 

Kokslöschwagen
Kokslöschwagen
Kokslöschwagen
Kokslöschwagen

Der 1000 Grad heiße Koks wurde in nur 45 sec. aus der Ofenkammer gedrückt und der Löschwagen mit der “heißen Fracht” von der E-Lok unter den Löschturm geschoben. Mit 5 Düsen, die im Löschturm über dem Löschwagen angeordnet waren, spritzten in 2 min. 28 m³ “Löschwasser” auf den glühenden Koks. Eine weithin sichtbare Löschwolke, die aus dem Löschturm austrat, zeigte den Vorgang an. 

Nach ca. 10 Min. war das Wasser verdunstet und damit der “Koks” gelöscht . Der Löschwagen brachte den fertigen Koks zur Abzugsrampe und entlud dort die Fracht. Dieser Vorgang erfolgte 95 mal am Tag. 

Bei den extremen Belastungen, denen der Löschwagen ausgesetzt war, ist der Bodenbelag des Wagens mit einzelnen, leicht wechselbaren Gussplatten ausgelegt und die wesentlichen Konstruktionsteile sind aus rostfreiem Stahl gefertigt. 

Für die Überbrückung erforderlicher Reparaturzeiten stand ein kompletter Reservewagen bereit. Die elektrisch betriebene Antriebslok konnte durch eine umgerüstete Diesellok ersetzt werden. 

Technische Daten Kokslöschwagen

Länge des gesamten Gespannes: 24,2 m, Länge des Löschwagens: 18,2 m, Gewicht des Löschwagens: ca. 50 t, Koksbeladung: 13,5 t, Intervalle zur Grundüberholung des Wagens: ca. 5 Jahre

Anmerkung: Ein Besuch lohnt sich immer. Denn zum Beispiel auf dieser Informationstafel sind interessante Ansichten zu sehen, so wie wir sie heute vielleicht nicht unbedingt mehr kennen. Diese zeigen unter anderem: 

  • den Blick auf die Kokerei
  • E-Lok mit Löschwagen
  • Löschwagen vor den Koksofenkammern
  • Alle 15 Minuten wurde aus einer Koksofenkammer ein fertiger Brand von der Druckmaschine über den Kokskuchenführungswagen in den Löschwagen gedrückt. 

Bezugsquelle: Informationstafel Gewerbepark Ilseder Hütte Industriepfad. Standort: Ilseder Hütte.

zurück zum Industriepfad