Schachtanlage Wilhelmshall-Ölsburg

Bei Ölsburg wurde bereits im Jahre 1872 mit Erfolg auf Steinsalz gebohrt. 1874 wurde der neugegründeten Gewerkschaft Wilhelmshall in Ölsburg ein Steinsalzfeld mit einer Größe von 1.841 Millionen Quadratmeter verliehen. Zwischenzeitlich wurde in den Jahren 1880 bis 1887 eine Saline in Ölsburg betrieben. Nachdem fünf Tiefbohrungen auch das Vorhandensein von Kalilagern nachgewiesen hatten, wurde am 1. Juni 1900 mit dem Abteufen eines Schachts in der Nähe von Ölsburg begonnen. Trotz Wasserzuflüsse von einem Kubikmeter pro Minute wurde bereits am 3. August 1900 eine Teufe von 48 Meter erreicht. Der provisorische Ausbau mit 6,80 Meter lichtem Durchmesser war durch einen gußeisernen Tübbingausbau mit 5,50 Meter lichter Weite ersetzt worden, so daß zu diesem Zeitpunkt Abteufarbeiten schnell vorangetrieben wurden. Am 27. August erfolgte bei etwa 203 Meter Schachtteufe ein Wassereinbruch, bei dem der Schacht zum Ersaufen kam. Die Dichtungsarbeiten gestalteten sich so schwierig, daß sich die Gewerkschafter im Oktober 1906 entschlossen, den Schacht aufzugeben, da die Sümpfungskosten die Kosten eines neuen Schachts überstiegen. Die Heldburg AG, die die Aktienmehrheit hatte, verzichtete auf jede weitere Planung und verkaufte die Kuxe (Aktienanteile im Bergbau) an ein Bankenkonsortium, obwohl außer einer Aufbereitungsfabrik alle Tagesanlagen bis 1904 fertiggestellt worden waren. 

Neuer Anfang

Unter der Regie des neuen Konsortiums wurden die Sümpfarbeiten des begonnenen Schachtes wieder aufgenommen. Bis zum Jahre 1912 war der Schacht vollkommen abgedichtet. Der Tübbingsausbau war bis zu einer Teufe von 258 Metern fortgeführt worden, von da ab wurde Ziegelsteinmauerung eingebracht. Die oberste Sohle wurde bei 500 Meter aufgefahren. Erste Erkundungsarbeiten auf dieser Sohle wiesen Kalilager mit unterschiedlichen Mächtigkeiten und durchschnittlichen Kaligehalten nach. Auf der 569-m-Sohle wurde ein hochprozentiges Sylvinitlager angetroffen. Weitere Sohlen wurden bei Teufen von 640, 720 und 750 Meter angesetzt. Der Schacht hatte eine Endteufe von 770 Meter, so daß die 800-m-Sohle im Unterwerksbau von der 750-m-Sohle aufgefahren wurde. 

Die Berkwerksfelder des Kaliwerkes “Wilhelmshall-Ölsburg” lagern größtenteils auf dem Territorium einer braunschweigischen Enklave im damaligen hannoverschen Staatsgebiet. Das Bergwerk war damit vom braunschweigischen Staat verliehen wurden. Damit galt das braunschweigische Berggesetz. Dieses Gesetz sah einen zweiten Schacht nicht notwendigerweise für ein Bergwerk vor, so daß “Wilhelmshall-Ölsburg” bis zu seiner Stillegung nur von einem Schacht ausgeschlossen war. 

Schachtanlage Wilhelmshall-Ölsburg
Schachtanlage Wilhelmshall-Ölsburg
Schachtanlage Wilhelmshall-Ölsburg
Schachtanlage Wilhelmshall-Ölsburg

Förderung beginnt

Die Förderung wurde am 1. Juni 1915 aufgenommen. Im Jahre 1918 wurden 50.000 Tonnen Steinsalz gewonnen und davon 42.668 Tonnen verschickt. Nach einem wesentlichen Rückgang des Steinsalz-Absatzes im Jahre 1919 konnte die Förderung 1920 wieder bei einer Belegschaft von 150 Mann auf 65.420 Tonnen gesteigert werden. In diesem Jahr ging die Gewerkschaft Wilhelmshall-Ölsburg an die Gewerkschaft Volkenroda über. Nachdem sich die Volkenroda-Gruppe an den Burbach-Konzern angeschlossen hatte, war damit auch der Übergang der Gewerkschaft Wilhelmshall-Ölsburg an die Burbach-Kaliwerke AG vollzogen. 

1924 mußte der Betrieb wegen Absatzschwierigkeiten stillgelegt werden. Für Ende 1925 wird im Bergbaujahrbuch eine Belegschaft von 47 Mann ausgewiesen, die zu Unterhaltungsarbeiten eingesetzt wurden. Ende 1926 waren wieder 79 Mann im Einsatz, die Aufschlußarbeiten auf der 750-m-Sohle wurden wieder im Sylvinitlager aufgenommen. Bezogen auf Reinkali wurden 1928 rund 3.880 Tonnen gefördert, der Absatz betrug 4.330 Tonnen. Am 1.7.1928 waren 70 Mann angelegt. Die Aktionärsversammlung beschloß jedoch am 12. Dezember 1928 die Liquidierung der Gewerkschaft und die Veräußerung der Schachtanlage “Wilhelmshall-Ölsburg” an die Burbach-Kaliwerke AG.

Wie bereits 1927 wurde in den Jahren 1931 bis 1932 verseucht, von der 720-m-Sohle aus durch Bohrungen im Posidonienschiefer Ölvorkommen aufzuschließen. Diese Arbeiten wurden mit einer Restbelegschaft von 30 Mann durchgeführt. 1933 wurde die Schachtanlage endgültig geschlossen und ein großer Teil der Betriebsanlagen in den Folgejahren abgebrochen. Im Dezember 1936 stand das Fördergerüst zum Abbruch an. Bei diesen Arbeiten stellte man fest, daß die Schachtröhre bis 16 Meter unter der Erdöberfläche voll Wasser stand. Die letzten Temperaturmessungen waren im Schacht 1934 durchgeführt worden, so daß erst 1935 oder 1936 das Ersaufen der Untertageanlagen stattgefunden haben muß. Von den ehemaligen Tagesanlagen auf dem Betriebsgelände erinnert heute noch das kombinierte Verwaltungs- und Kauengebäude und die langgestreckte Werkshalle an das Kaliwerk Wilhelmshall-Ölsburg.

Bezugsquelle: Text und Fotos stammen aus dem Buch “Die Lichter sind erloschen” Über den historischen Bergbau im Landkreis Peine. Eine Fotodokumentation der Autoren: Otto Bilges, Rainer Bode (Herausgeber), Fritz Krüger und Arno Schulz. Es ist die 4. Auflage aus dem Jahr 1987.