Die Kohlenwertstoffanlage

In der Kohlenwertstoffanlage wurde das Koksgas gereinigt. Das Rohgas aus dem Verkokungsprozess der Kokerei führt die in der Kohle enthaltenen Nebenprodukte (Wasser, Teer, Schwefel, Ammoniak, Benzol, Naphtalin) mit, die in der Nebengewinnung durch thermische und chemische Prozessabläufe aus dem Gas abgereinigt werden müssen. Der Gassauger der Nebengewinnungsanlage saugt das in einer Sammelleitung geführte Rohgas mit einem Unterdruck von 160 mm WS von der Kokerei ab.

Dabei wird das Gas über Kühlanlagen geführt und anschließend mit einem Überdruck von 960 mm WS durch die verschiedenen Prozessstufen geführt- Dort werden die “Nebenprodukte” abgeschieden.

Teergewinnung

Bereits auf dem Weg zur Saugeranlage werden das Gaskondensat, Ammoniak-Rohwasser und der darin gebundene Teer abgeschieden. Der Teer trennt sich durch das unterschiedliche spezifische Gewicht vom Wasser. Über einen Spülwasserbehälter wird der Teer in Lagertanks gepumpt. Das noch anhaftende Wasser wird in den Kühlprozess zurückgeführt. Das Produkt Teer fand als Straßenbaumaterial Verwendung.

Schwefelgewinnung

Zur Schwefelabscheidung wird das Gas einem Waschprozess im sogenannten Peroxwasser unterzogen.Die Zugabe einer Waschlösung bewirkt, dass der Schwefel herausgewaschen wird. Sogenannte Hordenwascher unterstützen den Prozess. Die stark mit Schwefel angereicherte Lösung wird in Rohrtürmen, den Oxydeuren, mit Luft beaufschlagt. Der Schwefel lagert sich als Schwefelschlamm an den Luftblasen an. Nach einem Trocknungsvorgang wird eine Schwefelpaste abgeschieden und “eingeschmolzen”. Danach kann der Schwefel in Riegel abgegossen werden. Das Produkt Schwefel wurde in der Industrie zur Papier-, und Gummiherstellung verwendet.

Die Kohlenwertstoffanlage
Die Kohlenwertstoffanlage
Die Kohlenwertstoffanlage

Ammoniakgewinnung

Zum Auswaschen des Ammoniaks wird das Gas auf weitere Wascher geführt und die angereicherte Lösung zu sogenannten Abtreibern geleitet. Die dabei entstehenden Ammoniakschwaden werden in einem gasbeheizten “Reaktor” in Stickstoff und Wasserstoff umgewandelt. Die bei der Wasserstoffverbrennung entstehende Wärme wurde zur Dampferzeugung verwendet. Bis in die Zeit um 1970 konnte das Ammoniak in Sättigern angereichert und Kristallin abgezogen werden. Dieses Ammoniaksalz war als Düngemittel sehr begehrt.

Benzolgewinnung

Das Gas wird in Benzolwaschern mit einem Waschöl behandelt. Dabei reichert sich das Waschöl mit dem Benzol an. In Wärmetauschern wird diese Lösung über “Dampfregister” erhitzt und in einem Benzolabtreiber ausgeschieden. Über Kühler und Scheideflaschen wird das Benzol von den Schwaden getrennt. Die Lösungsmittel gehen jeweils wieder in den Prozesskreislauf zurück. Das Benzol wurde für die Kraftstoffgewinnung extern weiterverarbeitet. 

Naphtalinauswaschung

Die Abscheidung des Naphtalins erfolgt durch Anreicherung mit speziellen Emulsionen in einem Wascher. Das abgesonderte Naphtalin wurde nicht weiter verwendet und daher dem Teer zugeführt. Das im Gas vorhandene Naphtalin musste ausgewaschen werden, da nachgeschaltete Gasarmaturen sonst in ihrer Funktion beeinträchtigt wurden. 

In der Kohlenwertstoffanlage konnte eine Gasmenge von 22.000 Nm³/h gereinigt werden. Das gereinigte saubere Gas wurde in den verschiedenen Werksanlagen der Ilseder Hütte in Peine und Ilsede eingesetzt. Lange Zeit wurden auch die Haushalte der Gemeinden damit versorgt, von 1930 bis 1968 auch die Stadt Hildesheim. 

Überkapazitäten sind auch in die Ferngasleitung (Übergabestation Grävig) eingespeist worden. Der jeweils erforderliche Gasdruck wurde über Verdichter in der Gaskompressorenstation des Maschinenbetriebes erzeugt.

Der 60.000 Nm³ fassende Gasometer übernahm die Steuerung zwischen Erzeugung und Verbrauch dieses wertvollen Energieträgers.

Diese Station wurde gesponsert von der Firma KINTEC Maschinen

Anmerkung: Ein Besuch lohnt immer. Denn zum Beispiel auf dieser Informationstafel sind interessante Ansichten zu sehen, so wie wir sie heute vielleicht nicht unbedingt mehr kennen. Diese zeigen unter anderem: 

  • Die Nebengewinnungsanlage
  • Die Nebengewinnungsanlage, in der weiteren Ansicht mit Teer Ttansportwaggons
  • Der Cassauger
  • Die Schwefelpresse
  • Der Koksguss Gasometer im Hochofenwerk, das wesentliche Aggregat zur Speicherung und Verteilung des Koksgases

Bezugsquelle: Originaltext Informationstafel Gewerbepark Ilseder Hütte Industriepfad. Standort: Ilseder Hütte am Bauhof der Gemeinde Ilsede).

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