Die Hochbahn der Ilseder Hütte

von Herrmann Diekmann

Die Bedeutung unserer neuen Nord-Süd-Eisenbahnbrücke ist allen Peinern bekannt. Das “Bauwerk des Jahrhunderts” bringt nicht nur eine Verbesserung für alle Verkehrsteilnehmer, es ist auch ein wichtiges Bindeglied zwischen Nord- und Südstadt, und das nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht, sondern auch im Zusammenleben der Einwohnerschaft. Doch fehlt es auch nicht an kritischen Stimmen. Gründe hierfür sind unter anderem der Autolärm und die Beeinträchtigung des Stadtbildes im Zuge der Braunschweiger Straße und der Jägerstraße.

Kritische Stimmen desselben Inhalts wurden schon einmal bei einem ähnlichen Bauwerk an gleicher Stelle laut. Mündlich und schriftlich protestierten Anwohner der Braunschweiger-, Ilseder-, Neuen-, der Jäger- und Wiesenstraße gegen den Bau der sogenannten “Hochbahn der Ilseder Hütte”. Sie gehörte bis zum Jahre 1971 in das Bild unserer Südstadt und war unter der kurzen Bezeichnung “Hochbahn” allen Peinern ein Begriff. 

Wenn sie auch nicht gerade einen schönen Anblick bot, so störte sie kaum. Erstens hatte man sich an sie gewöhnt, zum anderen war allgemein bekannt, daß die Hochbahnanlage zu einem Großbetrieb gehörte, der vielen Werktätigen in Stadt und Land einen sicheren Arbeitsplatz mit einem guten Lohn bot. Als unangenehm wurde es nur empfunden, wenn Zuggeräusche in die Stille der unmittelbar an der Hochbahn gelegenen Peiner Festsäle drangen und während einer Aufführung Worte oder Töne für einen Augenblick unverständlich machten. 

Und so entstand die Hochbahn: Als sich nach der Jahrhundertwende infolge des Aufschwungs der deutschen Wirtschaft auch die Produktion der Ilseder Hütte beziehungsweise des Peiner Walzwerkes immer mehr steigerte, wurde auch der Bedarf an Roheisen immer größer.

Zur Beförderung des glühenden Eisens von der Ilseder Hütte ins Peiner Walzwerk stand ein Gleis der Eisenbahnlinie Peine-Groß Ilsede zur Verfügung, auf dem gleichzeitig der Personennahverkehr liegt. Dieses eine Gleis reichte bald nicht mehr aus. Ein zweites, das ausschließlich dem Transport des glühenden Eisens dienen sollte, war erforderlich. 

Am 1. Dezember 1908 stellte die Ilseder Hütte beim Königlichen-Eisenbahn-Kommissariat in Hannover den Antrag für ein zweites Gleis. Neben technischen Angaben war ein Hinweis auf gleiche Anlagen im Ruhrgebiet und in Osnabrück beigefügt. 

Aus Hannover ging der Antrag an den Regierungspräsidenten in Hildesheim, von dort zum Landrat nach Peine, und schließlich wurde der Magistrat in Peine als zuständige Stelle eingeschaltet. 

Der Magistrat wollte mit besonderer Umsicht zu Werke gehen und fragte bei der Stadt Osnabrück an, welche Erfahrungen mit der Hochbahn Laurahütte gemacht worden seien. Die Antwort: eine solche Anlage existiere nicht. 

Daraufhin richtete Peine die gleiche Anfrage an Dortmund-Hörde, Neunkirchen, Hagen-Haspe und Schwerte-Rombock. Die Antworten fielen positiv aus. Vor allem wurde in ihnen hervorgehoben, daß sich keine Unfälle ereignet hätten und daß die