Die Elektrohängebahn

Die Elektrohängebahn wurde für den Transport der Einsatzstoffe Möller und Koks zu den Hochöfen im Jahre 1921 in Betrieb genommen. Die Planungen für diese Anlage wurden bereits 1913 begonnen. Es war zu der Zeit die modernste zentrale Begichtungsanlage. Mit dieser Investition hat die Ilseder Hütte einen entscheidenden Schritt zur Wirtschaftlichkeit und damit der Zukunftssicherung des Unternehmens getan. 

Bis zur Inbetriebnahme dieser Anlage wurden die Einsatstoffe für die Hochöfen durch viele Arbeitskräfte mit Schaufeln in Kübeln verladen und zu den Hochöfen geschoben. Die Elektrohängebahn übernahm nun diese schwere körperliche Arbeit, und die gesamte Logistik der Rohstoffversorgung für die Hochöfen wurde umgestellt. Erz und auch der fremd bezogene Koks kamen in sogenannten Selbstentladewagen auf den Erz- bzw. Koksbunker und wurden dort entleert.

Unter den Bunkern waren Austragstrichter angeordnet, über die der Hüttenarbeiter mit mechanischen Austragseinrichtungen einzelne Hängebahnwagen befüllte. Diese  Transportwagen konnten auf der Möllerseite bis zu 2,4 t erfassen. Sie hingen an einer Stahlkonstruktion und fuhren mit jeweils zwei Elektro – Eigenantrieben. mit einer Geschwindigkeit von 1 m pro Sekunde.

Die Elektrohängebahn
Die Elektrohängebahn
Die Elektrohängebahn
Die Elektrohängebahn

Die Wagen wurden exakt verwogen und in der Regel zu Zugeinheiten von 10 Wagen für jeden Hochofen zusammengestellt. In dieser Zugeinheit fuhren die Wagen zur Schrägstrecke und wurden dort an ein umlaufendes Seil, wie bei einem Skilift, selbsttätig gekuppelt und auf die 30 m höher gelegene Hochstrecke zur Gichtbühne gezogen. Dort liefen die Wagen zu den einzelnen Hochöfen wieder mit Eigenantrieb.

Eingebaute Weichen sorgten für die exakte Zuordnung, und der Mann an der Ofengicht kippte die einzelnen Wagen ab. Die entleerten Wagen liefen wieder in den Kreislauf zurück. Auf der “Koksseite” lief der gleiche Vorgang. Die Wagen wurden direkt an der Kokerei oder unter dem Koksbunker in der Kokshalle, der sogenannten Zeppelinhalle, mit 0,8 t Koks beladen. 

Sowohl auf der Möller- als auch auf der Koksseite liefen den in der Regel vier in Produktion stehenden Hochöfen jeweils 180 Wagen in der Stunde zu. 

Das Stahlgerüst der gesamten Elektrohängebahnanlage war eine gigantische Nietkonstruktion, die über 45 Jahre die Silhouette des Hochofenwerkes prägte. Im Jahre 1965 wurde die Elektrohängebahn durch die elektronisch gesteuerte zentrale Bandbegichtungsanlage abgelöst. Die spezifische Leistung der letztlich drei Hochöfen hatte sich erheblich gesteigert und konnte mit der alten Technik nicht mehr gelöst werden.

Technische Daten der Elektrohängebahnanlage

Erzbunker (Betonkonstruktion): Länge 124 m/ Höhe 10 m/ Breite 21 m 

Die Bunkeranlage war in 11 einzelne Abteile für unterschiedliche Einsatzstoffe unterteilt. Die Leistung der Windenanlage zur Erzschrägstrecke betrug 150 PS, die umlaufenden Seile hatten einen Durchmesser von 32 mm. 

Koksbunker (Betonkonstruktion): Länge 120 m/ Höhe 7 m/ Breite 16 m

Die Leistung der Windenanlage zur Koksschrägstrecke betrug 109 PS, die umlaufenden Seile hatten einen Durchmesser von 28 mm. 

Auslegung der Anlage

Bei einem durchschnittlichen  Einsatz von je 3.600 Wagen konnten auf der Möllerseite 8.500 t/Tag, auf der Koksseite 2.880 t/Tag transportiert werden. Die einzelnen Hängebahnwagen wurden mit 110 Volt Gleichstrom betrieben > siehe dazu auch Station 7, Umformerstation.

Anmerkung: Ein Besuch lohnt sich immer. Denn zum Beispiel auf dieser Informationstafel sind interessante Ansichten zu sehen, so wie wir sie heute vielleicht nicht unbedingt mehr kennen. Diese zeigen unter anderem: 

  • Die Wiegestation auf der Möllerseite.
  • Die Hochbahnstrecke an der Ofengicht.
  • Die Windenstation zur Schrägstrecke.
  • Die Schrägstrecke zum Möllertransport.
  • Die Koks – Schrägstrecke mit Koks-/Zeppelinhalle.

Bezugsquelle: Informationstafel Gewerbepark Ilseder Hütte Industriepfad. Standort: Ilseder Hütte.

Die Station wurde gesponsert von: der Apotheke im Gesundheitszentrum Ilsede.

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