Das Kraftwerk

Zur wirtschaftlichen Nutzung der Prozess-Gase des Hochofenbetriebes wurde in den Jahren 1962 bis 1964 auf dem Hochofenwerk in Ilsede ein neues Kraftwerk errichtet. Das Kraftwerk hatte die Aufgabe, den wachsenden Energiebedarf der Ilseder Hütte abzudecken und somit zunächst im Inselbetrieb die 100%ige Eigenversorgung zu sichern. 

Die insgesamt 20 Dynamomaschinen der Gaszentrale, die bis zur Kraftwerksinbetriebnahme den wesentlichen Anteil an elektrischer Energie lieferten, wurden stillgelegt. 

Das moderne Kraftwerk bestand aus drei Hochdruckkesselanlagen, den Kesseln 7 bis 9, mit Nebenanlagen und 3 Antriebsturbinen mit gekoppelten Generatoren. Jede Einheit hatte eine Leistung von 25 MW. Insgesamt konnten bei Volllast 85 MW elektrische Leistung in Ilsede erzeugt werden. 

Die Kesselanlagen des Hochdruck-Kraftwerkes leisteten 125 t Dampf in der Stunde mit 110 bar Druck bei einer Dampftemperatur von 520 Grad. 

Die Kesselanlagen 7 und 8 waren baugleich und wurden im wesentlichen mit gereinigtem Gichtgas (Reingas) aus dem Hochofenprozess betrieben. Eine Umstellung auf Kohlebetrieb oder auch alternativ schweres Heizöl war möglich. Der Kessel 9 war ausschließlich für den Betrieb mit Reingas konzipiert. 

Für die Erzeugung von 125 t Dampf/h wurden 120.000 m³ Reingas benötigt oder bei Einsatz von Kohle 12 t Kohle, die vorab zu Kohlenstaub gemahlen werden musste. 

Das Kraftwerk
Das Kraftwerk
Das Kraftwerk
Das Kraftwerk

Der erzeugte Dampf wurde über eine sogenannte Sammelschiene den baugleichen Hochdruckturbinen zugeführt. Den Turbinen war jeweils ein sogenannter Kondensator nachgeschaltet, der den entspannten Dampf wieder zu Kondensat herabkühlte. Die Kondensatoren benötigen für diesen Prozess ca. 4.000 m³ Kühlwasser in der Stunde. Große Kühltürme sorgten dafür, dass das Kühlwasser im Umlauf blieb und nur das verdunstete Wasser nachzuführen war. 

Eine Gebläsemaschine zur Erzeugung von Hochofenwind konnte direkt mit 110 bar Dampf betrieben werden. Über eine Dampf – Reduzierstation wurde der Prozessdampf von 12 bar erzeugt. Der entspannte Dampf (12 bar) versorgte u.a. die Turbinen der Dampfzentrale zur Stromerzeugung. Das gesamte Kondensat wurde anschließend gesammelt und stand dem Prozesskreislauf im Kesselhaus als Kesselspeisewasser wieder zur Verfügung. 

Das Kraftwerk wurde über mehr als 30 Jahre – von 1964 – 1995 – betrieben und hat entscheidend zur wirtschaftlichen Energieversorgung der Ilseder Hütte und später im Gesamtkonzept der heutigen Salzgitter AG beigetragen.

Anmerkung: Ein Besuch lohnt sich immer. Denn zum Beispiel auf dieser Informationstafel sind interessante Ansichten zu sehen, so wie wir sie heute vielleicht nicht unbedingt mehr kennen. Diese zeigen unter anderem: 

  • in schematischer Darstellung: den Aufriss eines Kraftwerkes mit (Kessel, Luvo, E-Filter, Speisewasserbehälter, Speisepumpen, Rohgasleitung, Reingasleitung, Turbogenerator, Schlackenbunker, Kesselhaus, Schwerbau, Maschinenhaus, Schaltanlagen, Staubtrichter unter Elektrofilter und Flugasche – Zwischenbunker)
  • in schematischer Darstellung: den Kraftwerk Grundriss mit (Kessel, Kondesation – Turbogenerator, Speisepumpen, Kohlemühlen, VE-Anlage, Kondensatbehälter, 500 V-Schaltanlage, 10 kV-Schaltanlage und 110 kV-Schaltanlage, Vorschaltturbine, Kessel 5 und 6, Vorschaltkraftwerk, Kondensat-Kühlwasserpumpen, Behälter für vollentsalztes Speisewasser, Blocktransformatoren, Kurzschlussbegrenzungsdrossel, Erregertransformatoren, 30/10 kV-Transformator und Steuerbatterie)
  • in Bildern: Luftaufnahme mit Blick auf die Energieanlagen
  • Turbinenhalle mit den Turbinen 7 – 9
  • Die Schaltwarte des Kraftwerkes
  • Hochdruck – Turbine

Bezugsquelle: Informationstafel Gewerbepark Ilseder Hütte Industriepfad. Standort: Am Kraftwerk

Diese Station wurde gesponsert von der: Salzgitter AG – Stahl und Technologie

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