Bau des Gerhardschachtes

Im Frühling des Jahres 1910 trat die Ilseder Hütte, bzw. die Grubenverwaltung Groß Bülten, mit Interessenten hiesiger Gemeinde zweckes Anlegung eines neuen Schachtes in Unterhandlung. Lange wurde verhandelt und das Projekt schien zu scheitern. Die Bahn nebst Schacht sollte auf Groß Bültener Feldmark bleiben. Da bequemten sich unsere Hartnäckigen. Es wäre eine große Dummheit gewesen, wenn die Anlage durch Opposition von hier ferngeblieben wäre. Der Vertrag wurde dann auch endlich abgeschlossen. Der Preis betrug pro Morgen 2.100 M; das betroffene Land konnte bis zu 5 Jahren von dem Eigentümer in Pachtung behalten werden. (Pacht pro Morgen 35 M) Eine vollspurige Erzbahn geht nach der Hütte. Das Land, worauf der Bahnkörper angelegt wird, wird mit 3.000 Mark pro Morgen bezahlt. Interessenten, die das Land verkauft haben, sind H. Frühling (Vorsteher), Karl Behre, Ww. Wittig, Otto Behre, Wilhelm Wittenberg, Theodor Grote, H. Hantelmann und Ernst Bertram (für Wiese am Beekgraben).

Gerhardschacht
Gerhardschacht
Gerhardschacht
Gerhardschacht

Im Spätsommer wurde der Schachtbau begonnen. Der Schacht mit Förderturm usw., wurde von der Firma Eilers Hannover ausgefüht; die Sturzanlagen verfertigte eine Kölner Firma. 

In der Kriegszeit wurde zur Beförderung der Erze nach dem Rheinland und nach Westfalen eine neue Bahn gebaut. Dieselbe geht nach Vöhrum und liegt südlich und östlich des Dorfes. Gleich zu Anfang des Krieges wurden bei dem Gerhardschacht Baracken für Kriegsgefangene aufgestellt. Die Gefangenen, Russen, Franzosen, Belgier und Italiener, wurden in der Grube usw. beschäftigt.

Im Mai 1919 wurde der Gerhardschacht, der eine zeitlang stillgelegen hatte, wieder in Betrieb genommen und an eine Gesellschaft (Urania) verpachtet, jedoch am 1. Oktober wieder von der Ilseder Hütte selbst geführt. Eine Anzahl der Baracken wurde zu Wohnungen ausgebaut, und Flüchtlinge, vertriebene Deutsche, namentlich aus dem Saargebiet und Elsaß – Lothringen, fanden hier Aufnahme. Im Jahr 1926 wurden die Baracken wieder abgerissen; nur für Klein Bülten wurde eine Baracke an der Ostseite des Ortes für 3 Familien aufgestellt. 

Bezugsquelle: Die Chronik von Klein Bülten. Nach schriftlichen Aufzeichnungen in der Schulchronik, aus alten Akten und Urkunden der Gemeinde und des Kreises Peine und nach Erzählungen älterer Einwohner zusammengestellt von Konrektor Richard Schulze.

Die Chronik schließt ab mit dem Jahre 1955.

Alte Chronik