Bandbegichtung & Gichtgasreinigung

Bandbegichtung

Mit den modernen Hochöfen 3/4/5 konnten in den Jahren ab 1973 monatlich 150 000 t Roheisen erzeugt werden. Dazu mussten den Hochöfen täglich 10.000 t “Möller” und 3.200 t Koks zugeführt werden. Der “Ilseder Möller ” bestand im wesentlichen aus hochwertigem “Sinter”, der in der eigenen Sinteranlage aus verschiedenen Eisenträgern, insbesondere auch den eisenreichen Auslandserzen hergestellt wurde.

(siehe Station 12. Sinteranlage)

Für diese Transportleistung war die Elektrohängebahnanlage aus dem Jahre 1921 nicht ausgelegt. In Ilsede wurde eine elektronisch gesteuerte Bandbegichtungsanlage gebaut, die ab 1965 über Gummiförderbänder die Hochöfen versorgte. In einer zentralen Steuerwarte wurden nach Vorgaben der Hochofeningenieure sowohl der Hochofenprozeß als auch der Möller- und Kokstrransport überwacht und gesteuert. Die Anlage lief mit hoher Präzision bis zur Einstellung der Roheisenproduktion im Jahre 1983. Auf dem Banner ist die Phase der Stahlbaumontage für die Anlage vor den Hochöfen zu erkennen. 

Bandbegichtung
Bandbegichtung
Bandbegichtung
Bandbegichtung

Gichtgasreinigung

Im Hochofenprozeß entsteht ein Nebenprodukt, das Gichtgas. An der “Ofengicht” wird das Gas mit einer Temperatur von 180 Grad und einem Heizwert von 900 WE über große Rohrleitungen abgeleitet. Vor einer weiteren Nutzung muss dieses Gas gereinigt werden. Dies erfolgt in mehreren Stufen. Der grobe Staub wird direkt hinter dem Hochofen in mechanischen Einrichtungen, dem sog. Staubsack und den Wirbleranlagen abgeschieden und mit besonderen Fördereinrichtungen, den Staubschnecken, ausgetragen. Die Feinreinigung des Gases erfolgt in Elektro – Filteranlagen, der sogenannten EGR (Elektrische – Gichtgas – Reinigung). 

Dabei wird das Gas über hohe Behälter geleitet und im Gegenstrom mit Wasser besprüht, das den Staub “auswäscht”. In dem nachgeschalteten Elektrofilter wird der restliche Feinstaub elektrisch “aufgeladen”. Er lagert sich danach an sog. Niederschlagsplatten an. Besondere Klopfvorrichtungen sorgen für die Abreinigung der Platten. Der in der Anlage abgeschiedene Staub wurde in Ilsede in “Dorrbecken” eingedickt und anschließend auf einer speziellen Deponie entsorgt. 

Das gereinigte Gichtgas, ca. 300 000 m³/h, ist im Energieverbund des Hochofenwerkes an den Windehitzern, der Kokerei und im Kraftwerk eingesetzt worden. 

Auf dem Großbanner ist die EGR – Anlage 1/3 zu erkennen. Eine baugleiche Anlage 4/6 stand auf der Ostseite der Hochöfen. 

Anmerkung: Ein Besuch lohnt immer. Denn zum Beispiel auf dieser Informationstafel sind interessante Ansichten zu sehen, so wie wir sie heute vielleicht nicht mehr kennen. Diese zeigen unter anderem: 

  • in schematischer Darstellung: die Bandbegichtung 

Bezugsquelle: Gewerbepark Ilseder Hütte Industriepfad. Standort: In der Nähe des Kugelwasserturm.

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